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Deadline: 22. April 2019

Veranstalter*innen:

Das Festival wird ausgerichtet von der Rosa Luxemburg Stiftung, dem Konzeptwerk Neue Ökonomie und dem Netzwerk Care Revolution.

 

Was ist das feministische Festival?

Feministische Kämpfe waren in den letzten Jahren die kraftvollsten Bewegungen, die für weitreichende gesellschaftliche Veränderungen und eine bessere Zukunft für alle eingetreten sind. Über Ländergrenzen hinweg ist es ihnen gelungen, gegen sexuelle Gewalt genauso zu protestieren, wie gegen prekäre Arbeitsverhältnisse, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung genauso wie für reproduktive Gerechtigkeit, für einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialen Infrastrukturen wie für die Aufwertung von Sorgearbeit. Sie treten lautstark und vielfältig in Erscheinung und markieren eine Alternative zu autoritärem Neoliberalismus und globalem Rechtspopulismus.

Die Proteste der letzten Jahre haben Beschränkungen eines liberalen Feminismus überschritten, indem sie eine grundlegende Kritik an kapitalistischen Verhältnissen üben. Sie haben es gleichzeitig geschafft, damit Hunderttausende anzusprechen, die bisher nicht links aktiv waren. Im Zuge der Anti-Trump Proteste in den USA ist einmal mehr klar geworden, dass ein linker Feminismus bedingungslos antirassistisch sein muss. Und auch hiesige Versuche, vermeintliche „Frauen*rechte“ für rechte und chauvinistische/sexistische Propaganda zu instrumentalisieren, zeigen wie notwendig dies ist, um den Rechten etwas entgegen setzen zu können. Aber auch Unterschiede zwischen Frauen* müssen Ausgangspunkt unserer gemeinsamen Kämpfe sein. Genauso wie die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Queers* und Trans*. Die Geschichte der Frauenbewegungen hat uns gelehrt, dass wir andernfalls gesellschaftliche Ausgrenzung wiederholen. In den aktuellen Protestbewegungen werden erste Schritte gegangen, die wir zu einer wirklichen intersektionalen Praxis entwickeln können, die unterschiedliche Machtverhältnisse in den Blick nimmt; einer Praxis, die Einheit in Differenz möglich macht. Dafür brauchen wir Orte für gemeinsame Debatten und gegenseitiges voneinander Lernen.

 

Dafür suchen wir eure Beiträge!

Eine solche Zusammenkunft ist nur so kraftvoll wie ihre Akteur*innen: Deshalb suchen wir Ihre und eure Beiträge! Im Rahmen des Festivals wird es neben Podien und Diskussionen verschiedene Workshop Phasen geben. Wir möchten Feminist*innen aus möglichst vielen verschiedenen Richtungen einladen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu teilen. Verschiedenste Formate sind dabei willkommen: bewegungsnah, aus der Praxis oder theoretisch. Es soll Zeit geben für Trainings und Gesprächsrunden, wir wollen an ältere feministische Praxen der ‚Selbsterfahrung’ anschließen und über feministische Gesundheit genauso lernen, wie über Transformatives Organizing. Auch unterschiedliche Formen künstlerischer und kultureller Beiträge sollen zentraler Bestandteil des Programms sein – wir wollen gemeinsam Filme sehen und darüber diskutieren, es wird Bühnen geben für Musik, wie für gesprochenes Wort und: wir wollen zusammen tanzen! Das Festival ist offen für alle Interessierten.

 

Zu welchen Themenbereichen sind Beiträge möglich?

Das Festival ist in 5 Themenstränge unterteilt, zu denen ihr Ideen einbringen könnt.

Die ganze Arbeit

In diesem Strang geht es um „Arbeit“ in ihrer gesamten Breite und all ihren unterschiedlichen Formen: unbezahlte wie bezahlte Arbeit, entgrenzte und erschöpfende Erwerbsarbeit, prekarisierte Arbeit oder Arbeit unter ganz und gar unsicheren Bedingungen, sichtbare oder unsichtbare Sorge-Arbeit, aber auch ehrenamtliche, politische oder Subsistenz-Arbeit – und nicht zu vergessen Erwerbslosigkeit.

Wie uns all das bis zum Umkippen beschäftigt und wo speziell Frauen* und trans* Personen dabei bleiben, soll unter eine feministische Linse kommen. Das heißt, wir wollen verschiedene Streiks und Kämpfe kennenlernen, über mögliche Bündnisse nachdenken, über Visionen zu „Arbeit“ und Tätig-Sein, also auch alternative Organisationsformen von Arbeit und Zusammenleben diskutieren. Was hat die Art und Weise, wie wir arbeiten mit deren Organisation innerhalb des Kapitalismus zu tun? Und was mit der Teilung der Arbeit zwischen den Geschlechtern? Und war es historisch eigentlich immer schon so, dass die Arbeit in Fabriken, in der Produktion eher ‚Männer*sache’ ist, während Frauen* sich eher um Haushalt, Kinder, Alte und Kranke kümmern, also um die ‚Produktion des Lebens’? Und wo bleibt eigentlich unser Recht auf Faulheit und selbst zu gestaltende Zeit? Wie sieht es mit aktuellen Beispielen gewerkschaftlicher Gegenwehr mit Arbeitsrechten und gemeinsamer Organisierung aus?

Reproduktive Gerechtigkeit, Familienpolitiken, Care

Im Zentrum feministischer Kämpfe standen immer schon Auseinandersetzungen um reproduktive Rechte und sexuelle Selbstbestimmung. Da es aktuell massive Angriffe von Rechts gibt, ist auch die Gegenwehr an vielen Orten der Welt wieder stark geworden. Darin geht es häufig nicht nur um das individuelle Recht, über Schwangerschaftsabrüche entscheiden zu können – auch wenn dies zentral ist. Sondern auch um die Frage, wer kann sich eigentlich unter welchen Bedingungen überhaupt entscheiden Kinder zu kriegen – oder eben nicht zu kriegen? Dies wird als „reproduktive Gerechtigkeit“ bezeichnet. Welche gesellschaftlichen Strukturen kommen in den Blick, wenn es nicht darum geht, Kinder auf die Welt zu bringen, sondern diese auch in einem liebevollen, unterstützenden und abgesicherten Umfeld aufwachen lassen zu können? Die Möglichkeiten sind hier sehr unterschiedlich verteilt. Migrantinnen* oder geflüchtete Frauen* werden – anders als Frauen* der weißen Mittelschicht – eher nicht dazu angehalten, Kinder in die Welt zu setzten. Auch queeren Lebensgemeinschaften werden große Hürden in den Weg gelegt, wenn sie sich für ein Leben mit Kinder entscheiden. Und auch Kinder aus einkommensarmen Familien tauchen im gesellschaftlichen Diskurs meist eher als ‚Problem’ auf. Wie aber könnten Lebensformen – mit oder ohne Kinder – aussehen, die die Sorge füreinander gesellschaftlich absichern? Wie müsste überhaupt eine Gesellschaft aussehen, in der Sorgeverhältnisse im Zentrum stehen? Eine Welt in der wir nicht ständig die Sorge um uns und andere gegen den Druck entgrenzter und prekarisierter Erwerbsarbeit stellen müssen.

Gewaltverhältnisse und Körperpolitiken

Wir wollen unterschiedliche Formen von Gewalt, die sich gegen die Körper von Frauen*, Trans*, queer und intergeschlechtlich lebenden Menschen richten, sichtbar machen – aber auch die Vielzahl queer/feministischer Praxen und Bewegungen, die dagegen Widerstand organisieren.

Gewalt kann dabei körperliche, seelische und sexualisierter Gewalt sein – oder Gewalt in Form operativer Eingriffe. Es gibt aber auch eine Vielzahl struktureller Gewaltverhältnisse, wie bswp. Grenzen oder auch ökonomische Bedingungen, die die Bewegungsfreiheit einschränken und die Möglichkeiten, über den eigenen Körper bestimmen zu können. Was macht verschiedene Körper verletzlich? Wie hängen etwa ökonomische Gewalt und Krisen mit Gewalt gegen Frauen*, Trans* oder Queers zusammen? Welche Gewalt geht von einem rassistischen System aus?

Queer/feministische Kämpfe finden schon statt: gegen die Pathologisierung von Trans*Körpern oder gegen Homophobie. Die #NiUnaMenos-Bewegung setzt sich gegen Frauenmorde und Gewalt gegen Frauen* ein. Was brauchen verschiedene Körper zum guten Leben? Welche Aktionsformen, politischen Strategien und Bündnisse sind sinnvoll, um gemeinsam mehr Druck machen zu können? Und nicht zuletzt: Wie sieht eigentlich ein liebevoller Umgang mit dem eigenen Körper aus?

Sozial-ökologische Transformation

In vielen Teilen der Welt ist die Frage, wie wir mit unserer natürlichen Umwelt umgehen, viel enger mit Geschlechter-Fragen verbunden, als dies hierzulande selbstverständlich ist: Wer hat eigentlich Zugang zu natürlichen Ressourcen? Inwiefern ist dieser auch durch patriarchale/männliche Herrschaft geprägt? Was hat also ein ausbeuterischer Umgang mit der Natur sowohl mit Kapitalismus, als auch mit Geschlechterverhältnissen zu tun? Und inwiefern stehen diesem auch Überlegungen zu einem nachhaltigen Umgang mit Mensch und Natur gegenüber, die häufig aus Kämpfen von Frauen* und feministischen Praxen gespeist sind? Was genau kann und will feministische Klimapolitik?

All diese Fragen betreffen auch das Verhältnis zwischen Globalem Norden und Globalem Süden – also die historisch entstandenen, aber weiter bestehenden Ausbeutungsstrukturen zwischen hochindustrialisierten Ländern Europas und Nordamerikas auf der einen und weiten Teilen des Südens auf der anderen.

Feministische Ökonomiekritik wirft die Frage nach einem nicht-ausbeuterischen, sondern einem „vorsorgendes Wirtschaften“ auf und verbindet sie mit Fragen zu einer Care- oder Sorge-Ökonomie. Was können wir daraus für einen Wandel hin zu einer demokratischen, sozialen und ökologischen Gesellschaft lernen? Welche Rolle spielen darin feministische Utopien für ein gutes Leben für alle?

Postkolonialer Feminismus & Feministische Internationale

Feministische Bewegungen sind momentan über Ländergrenzen und Kontinente hinweg vernetzt. Kämpfe für ein Recht auf Schwangerschaftsabbrüche stärken sich gegenseitig und die Praxis eines internationalen Frauen*Streiks breitet sich seit ein paar Jahren von Argentinien über den ganzen Globus aus. In vielen dieser Proteste spielt eine Kritik am dem engen Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen, neoliberalem Kapitalismus und Rassismus eine wichtige Rolle: Sorgearbeit, die weiterhin vorwiegend von Frauen* gemacht wird, ist unter kapitalistischen Bedingungen beispielsweise ‚weniger wert’, wird schlecht oder gar nicht bezahlt und sehr häufig sind es in Europa oder USA Migrant*innen oder Women of Color, Schwarze oder indigene Frauen*, die diese Arbeiten erledigen. Die Folgen kolonialer Herrschaft und rassistischer Ausbeutung wirken in vielen gesellschaftlichen Bereichen fort – und sind eng verschlungen mit der Unterdrückung von Frauen*. Zu verstehen, wie Herrschaftsverhältnisse mit einander verwoben sind, deren Intersektionalität zu erkennen, ist wichtig, um Gegenstrategien zu entwerfen.

Wie können wir uns dagegen einen internationalen und internationalistischen Feminismus vorstellen? Einen, der die Unterschiedlichkeit der Anliegen und Probleme von Frauen* unter verschiedenen sozialen, kulturellen und politischen Bedingungen gleichermaßen ernst nimmt und nicht etwa die Sichtweisen von weißen Frauen*, die ökonomisch abgesichert sind, als tonangebend setzt?

Kunst, Kultur und Theater

Kunst, Kultur und Theater soll auf dem Festival nicht nur als ‚Rahmenprogramm’ vorkommen, sondern zu allen Zeiteneine Rolle spielen. Von Musik, mit-mach-Bands, über Spoken-Word, künstlerische Interventionen bis hin zu Ausstellungen: reicht uns eure Vorschläge zu den oben genannten Themen ein!

Querschnittsfragen des Festivals:

Es gibt ein paar zentrale Fragen, die alle diese Bereiche durchziehen – die also nicht als extra Strang angelegt werden und doch auf keinen Fall hinten runterfallen dürfen. Wir wollen sie deshalb als „Querschnittsfragen“ bezeichnen und mit in alle Themenbereiche und die Zusammenstellung des Programms nehmen. Dazu gehören: Antirassismus, Queerfeminismus, eine grundsätzliche Kapitalismuskritik so wie eine Analyse des sich global ausweitenden autoritären Neoliberalismus. Aber auch die Frage nach Widerstandspraxen, nach Möglichkeiten der Organisierung, nach strategischen Hebeln für gesellschaftliche Veränderung und nach Formen der Stärkung einer linken, internationalistischen, feministischen Bewegung soll in allen Themenfeldern eine wichtige Rolle spielen.

 

Formate

Wichtig ist uns eine Vielfalt der Formate / Methoden der Workshops

  • Diskussionen
  • Workshops mit vielen verschiedenen Methoden
  • praktische Workshops / Trainings
  • künstlerische Formate, z.B. mit Theater / Tanz / Musik
  • Exkursionen
  • Vorträge
  • Skill-Sharings in denen wir uns gegenseitig etwas beibringen
  • Gesprächskreise

 

Anforderungen an die Workshops

Ihr könnt zwei Formen von Workshops einreichen

  • 2 stündige Workshops oder
  • 4 stündige Workshops, die in 2 Teilen stattfinden

Workshops können von Einzelpersonen oder Gruppen eingebracht & angeleitet/begleitet werden. Bitte reicht nur Workshops ein, für die es auch Vorbereitende gibt.

Hauptsprachen des Festivals sind deutsch und englisch. Wenn ihr einen Beitrag in einer anderen Sprache anbieten möchtet, gebt uns bitte Bescheid. Wir bemühen uns dann eine Übersetzung zur Verfügung zu stellen.

 

Rahmenbedingungen
  • Räume: In den Räumen der Zeche Zollverein ist Platz für die Workshops. Viele Räume sind barrierefrei.
  • Honorar, Fahrtkosten & Unterkunft: Für Referent*innen können Fahrtkosten & Übernachtung übernommen werden. Insgesamt bemühen wir uns um Möglichkeiten für günstige Anreise- und Übernachtungskosten für alle (z.B. gemeinsame Busanreise und Bettenbörse).
    Nach der Auseinandersetzung mit kritischen Rückmeldungen haben wir zudem im Budget umgeschichtet. Dadurch können wir für aktive Teilnehmende mit geringem Einkommen eine Aufwandsentschädigung zahlen. Für Künstler*innen hatten wir von Beginn an ein Honorar vorgesehen.
  • Ablauf des Verfahrens: Einreichungen bis 18. April 2019. Wir melden uns bis Mitte/Ende Mai zurück, ob der Workshop in das Programm aufgenommen werden kann.

 

Wie reiche ich etwas ein?

Einreichungen sind bis 22.04. an: program_femfuture@knoe.org möglich.
Bitte beantwortet dabei alle Fragen in diesem Dokument.

Bei Fragen kannst du dich an program_femfuture@knoe.org wenden

Für alle Fragen darüber hinaus schreibt uns an: femfest@rosalux.org

 

Wir freuen uns sehr auf Eure Beteiligung!