Eindrücke vom Feminist Futures Festival 2019

In vielen Teilen der Welt gewinnen feministische Bewegungen an Stärke und schlagen einen immer radikaleren Kurs ein: Kraftvoll und vielfältig stellen sie sich dem neoliberalen Ausverkauf des Gesundheitssystems und schlechten Arbeitsbedingungen entgegen. Sie kämpfen gegen sexualisierte Gewalt, rassistische Ausgrenzungen und die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Und sie treten für soziale Gerechtigkeit als Grundlage der Selbstbestimmung
über ihren Körper und ihr Leben ein. Damit gehören sie zu wichtigen Gegner*innen eines globalen Rechtspopulismus und bauen an
einer besseren Zukunft für alle.

Vom 12.-15. September 2019 hatte die Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen mit dem Netzwerk Care Revolution und dem Konzeptwerk Neue Ökonomie zum „Feminist Futures Festival“ in die Zeche Zollverein in Essen eingeladen. Es kamen mehr als 1.600 Menschen, darunter zahlreiche internationale Gäste aus über 30 Ländern. Vier Tage lang diskutierten sie über Organisierungserfahrungen, gemeinsame Strategien und Möglichkeiten einer transnationalen Vernetzung. Unter den ca. 120 Workshops waren aber nicht nur Diskussionsformate, es gab ein breites Kulturprogramm, das von Forumtheater und Pub-Quiz über Poetry Slam bis hin zu einem feministischen Mitsing-Chor reichte. Es gab Zukunftswerkstätten, ein Festival Podcast und Vernetzungsformate, in denen über konkrete Strategien bspw. zwischen Gewerkschafter*innen und Aktiven des feministischen Streiks gesprochen wurde. Es gab Skill-sharing-Workshops zu Queerem und klassenpolitischem Organizing in ländlichen Räumen sowie zur Planung von Agit-Prop-Aktionen im Care-Bereich. Vieles drehte sich um Empowerment und Selbstvergewisserung als Voraussetzung für politisches Handeln und für Bündnispolitiken – und um die Frage, wie linke Strukturen offener werden können für Geflüchtete und People of Colour. Außerdem feierte das – von der Stiftung maßgeblich mit gegründete – Netzwerk Care Revolution seinen fünften Geburtstag.

Mit all dem war das Feminist Futures Festival nicht nur die größte feministische Veranstaltung in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten, sondern auch die bisher zahlenmäßig größte Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung überhaupt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche, die heute UNESCO Weltkulturerbe ist, wurde in diesen Tagen die Ahnung von einer feministischen Zukunft wach, die längst nicht nur Frauen etwas anzubieten hat, sondern eine Perspektive für die 99 Prozent bereit hält.